Leistenhernien treten sehr häufig auf. Bei Männern wir das Risiko im Laufe des Lebens eine Leistenhernie zu entwickeln mit bis zu 27% angegeben, bei Frauen mit bis zu 3%.
Das Risiko für die Einklemmung einer Leistenhernie ist bei Männern insgesamt gering und wird mit 0.2% bis 2.7% jährlich angegeben. Entsprechend kann bei Leistenhernien, welche keine oder nur minimale Beschwerden verursachen, ein abwartendes Vorgehen ohne Operation erwogen werden. Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass viele Patienten mit zuerst asymptomatischen Leistenhernien mit der Zeit Beschwerden entwickeln und schliesslich operiert werden müssen. Die Entscheidung für oder gegen eine Operation von asymptomatischen oder wenig symptomatischen Leistenhernien soll deshalb nach ausführlicher Besprechung gemeinsam zwischen den Patienten und dem behandelnden Ärzteteam getroffen werden. Bei symptomatischen Leistenhernien wird demgegenüber stets eine chirurgische Versorgung empfohlen.
Bei Frauen mit einer Leistenhernie ist das Risiko für eine Einklemmung deutlich höher als bei Männern. Demnach wird bei Frauen mit Leistenhernien generell eine Operation und kein abwartendes Vorgehen empfohlen.
Die Wahl der Operationsmethode richtet sich nach der Grösse und Lage der Leistenhernie sowie nach möglichen Voroperationen im Leistenbereich und bestehenden Begleiterkrankungen. Wann immer möglich wird der Eingriff minimal-invasiv in robotischer Technik durchgeführt. Bei Patientinnen und Patienten mit Voroperationen in der Leiste, sehr grossen Hernien oder relevanten medizinischen Erkrankungen kann eine offene Operation über einen Hautschnitt erforderlich sein. Zur Stabilisierung der Bauchwand und zur Verringerung des Risikos eines erneuten Bruchs wird bei der Operation ein Kunststoffnetz eingesetzt.
Femoralhernien, auch Schenkelhernien genannt, treten deutlich häufiger bei Frauen als bei Männern auf. In Studien wurden sie bei der Versorgung von Hernien der Leistenregion bei rund 16,7 % der Frauen, jedoch nur bei etwa 0,7 % der Männer festgestellt. Aufgrund des erhöhten Risikos einer Einklemmung von Darmanteilen wird bei Femoralhernien grundsätzlich eine operative Versorgung empfohlen. In unserem Hernienzentrum erfolgt die Behandlung in der Regel minimal-invasiv mit der robotischen Technik. Dabei wird zur Stabilisierung der Bauchwand und zur Verringerung des Risikos eines erneuten Bruchs ein Kunststoffnetz eingesetzt.
Einseitige Leisten- oder Femoralhernien können bei Patient:innen ohne relevante Begleiterkrankungen in der Regel ambulant operiert werden. Nach bereits erfolgten Voroperationen im Leistenbereich oder bei begleitenden medizinischen Erkrankungen ist gegebenenfalls ein kurzer Spitalaufenthalt von ein bis zwei Nächten erforderlich.